Wie der Reality-Check entstand 

Was Menschen dazu bewegt, Populisten und Autoritäre zu wählen? Reicht es da nicht, auf die Wahlplakate zu sehen: Migranten raus, Eliten weg? Nicht unbedingt. Populisten wären keine Populisten, wenn sie es nicht verstünden, Ängste zu kanalisieren und zu lenken. Warum reagieren manche darauf eher als andere? Und warum sind Populisten in bestimmten Regionen stets erfolgreicher als anderswo? Dazu gibt es Inzwischen etliche Forschung – und…

Was Menschen dazu bewegt, Populisten und Autoritäre zu wählen? Reicht es da nicht, auf die Wahlplakate zu sehen: Migranten raus, Eliten weg? Nicht unbedingt. Populisten wären keine Populisten, wenn sie es nicht verstünden, Ängste zu kanalisieren und zu lenken. Warum reagieren manche darauf eher als andere? Und warum sind Populisten in bestimmten Regionen stets erfolgreicher als anderswo?

Dazu gibt es Inzwischen etliche Forschung – und Ergebnisse, die sich über die Studien hinweg bestätigen. Menschen neigen vor allem in solchen Regionen dazu, für Trump, Brexit oder AfD zu wählen, in denen es heftige wirtschaftliche Umbrüche gab. Ähnlich klar belegt scheint seit kurzem, dass auch Inflationsschocks einen deutlichen Effekt haben – ebenso wie der Versuch, Staatsfinanzen über gekürzte Sozialausgaben oder höhere Abgaben zu sanieren. Stichwort: Austerität. Eher zwiespältig wirken die Ergebnisse, wenn es um den Effekt von höherer Einwanderung geht – anders als es die Rhetorik rechts- und linkspopulistischer Politiker und Politikerinnen vermuten ließe. Hier mischen sich offenbar tatsächliche und geschürte Ängste. 

Worauf das Gros der Forschungsergebnisse von Ökonomen wie Soziologen und Psychologen zusteuert, ist eine gemeinsame Erkenntnis: Populisten haben fast immer dann und dort Erfolg, wo Menschen von einem Gefühl der Ohnmacht und des Kontrollverlusts geprägt sind. Der Verhaltensforscher Dan Ariely hat unvorhersehbaren Stress – „unpredictable stress“ – als einen der Hauptgründe für irrationale Reaktionen von Menschen (in der Pandemie) ausgemacht. Was auch erklären kann, warum Inflation oder regionale Brüche zu den Dingen gehören, die Wut und den Ruf nach Autoritären messbar verstärken.  Und warum Populisten in fast allen reicheren Industrieländern in just dieser Zeit so starken Zulauf bekommen haben – einer Ära, in der Globalisierung, Technologie-Schocks, Deregulierung und die Übermacht von Großkonzernen zu sehr viel mehr Unsicherheit und gefühltem Kontrollverlust geführt haben. Und in der neue Schocks und Umbrüche dazu führen, dass aus latenten Ängsten ein sich jeweils verstärkender Ruf nach den Autoritären wird.

Die Ökonomen Mark Blyth und Eric Lonergan haben ein ganzes Buch zu den Angrynomics geschrieben.

In unserem Reality-Check haben wir den Stand der Forschung zu jedem der gängigen (oder auch eher vermuteten) Erklärungen zusammengetragen – mit Unterstützung führender Forscher wie Robert Gold vom Kieler Institut für Weltwirtschaft und der Auswertung von Referenzstudien wie der von Sergej Guriev. Genau quantifizieren lässt sich dabei nur schwerlich, welcher Faktor wie stark wirkt – und was in Umkehrung am ehesten hilft. 

Eine Einstufung der Faktoren nach Belastbarkeit der Ergebnisse und Bedeutung haben wir trotzdem vorgenommen – als einen ersten Schritt, um solidere Grundlagen dafür zu bieten, was gegen jenen Unmut der Menschen helfen könnte, der ganz offenbar der tiefere Grund für den Aufstieg der Populisten ist. Die implizite Rangfolge kann so helfen besser zu verstehen, warum etwa die drastische Verschärfung des Asylrechts und der deutliche Rückgang der Zuwanderung in Deutschland seit 2025 nicht dazu geführt hat, dass die AfD in den Umfragen wieder verliert – im Gegenteil. Wer die Forschung liest, hätte schon vorher wissen können, dass die Angst vor Migration gar kein so klarer Faktor ist – und eine schärfere Politik entsprechend wenig am Wahlverhalten ändert.

Viel Forschung zum Thema läuft derzeit – etwa zum Einfluss von KI. Unser Reality-Check hier ist daher als erster Wurf und „Work in progress“ angelegt – mit der Ambition, die Auswertungen mit Wissenschaftlern und Praktikern in den nächsten Wochen und Monaten zu diskutieren, auszufeilen, gegebenenfalls zu korrigieren und zu verbessern.

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