In Wut vereint – was Franzosen und Deutsche eint

Brennende Schulen, Schuldenpanik an den Finanzmärkten und eine Rechtsextreme, die in ein paar Monaten das Land regieren könnte: Was in Frankreich gerade zusammenkommt, lässt eher niedlich wirken, worüber die Deutschen zurzeit klagen.

Was zum Teil auch so ist. Nur. Wenn es um die tieferen Gründe für Unmut und Zulauf für Populisten und Autoritäre geht, sind die Unterschiede weit kleiner, als manches Bild von Protesten in Paris vermuten lassen könnte.

Wie ähnlich Deutsche und Franzosen in dieser Hinsicht gerade sind, habe ich mit Martin Kaelble in der vierten Folge unseres New Economy Sounds-Podcast besprochen. Stoff gab es genug, nachdem wir kürzlich in Paris mit ausgewählten deutschen und französischen Experten und Expertinnen dazu getagt haben – in Kooperation mit der Paris School for International Affairs an der Sciences Po. Beiderseits des Rheins dominieren Unsicherheit und Ohnmachtsgefühle, haben die Populisten den Grundtenor in der Gesellschaft schon stark geprägt – etwa, wenn es um den nahezu unabwendbaren Niedergang des Landes geht, was natürlich, so die Menschenfänger, nach dem starken Retter ruft.

Dabei wird dank etlicher Forschung zunehmend klarer, was Leute zur Wahl von Populisten treibt – mit immer wieder neuen Aha-Momenten. Wenn es um Ohnmacht und Kontrollverlust geht, geht es auch um den Bruch von sozialen Beziehungen und um Einsamkeit, wie der Pariser Forscher Yann Algan sagte. Bad Fact am Rande: seinen Auswertungen zufolge gab es die Gelbwesten-Proteste einst vor allem in den Regionen, in denen besonders viele Cafés zuvor verschwunden waren – der soziale Zusammenhalt also am brüchigsten wirkt.

Was Frankreich gerade erlebt, ist auch finanzpolitisch dramatisch: Wenn ein Land viele Staatsschulden hat, hieß es bisher immer, drohen Anleger sich halt zurückzuziehen und die Zinsen zu steigen – was die Regierung dazu bringt, zu konsolidieren. So steht es in den gängigen Lehrbüchern der Ökonomie. So haben es auch, sagen wir, die Griechen einst zu spüren bekommen.

Nur: Was, wenn inzwischen belegt ist, dass das entsprechende Kürzen von Leistungen nur noch mehr Menschen dazu bringt, Autoritäre und Anti-Demokraten zu wählen? Und was, wenn der Staat zwar hohe Schulden, aber gar nicht so viel in die Zukunft investiert hat (wofür sich Schulden lohnen würden) – und Schüler und Schülerinnen nicht zu Unrecht über mangelnde Ausstattung ihrer Schulen protestieren? Gilt dann unbekümmert das Mantra, dass der Staat halt bei allen kürzen muss? Auch wenn es die Demokratie noch ein Stück weiter in die Krise stürzt?

Wie sieht dann eine wirklich nachhaltige Finanzpolitik aus? Dazu in Kürze mehr. Fortsetzung folgt.

Credit Picture: (c) Thibaud Moritz/​AFP via Getty Images

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